Helferlein

Das Vertragswesen

Video: https://youtu.be/yP8PvIBQtj0


Du bist der Weg und ewig' Leid

Du bist die Pforte zum Verließ

Du bist das Tor zur Seligkeit

die bist die Tür zum Paradies


Sie war allein.

Ihre Gedanken waren plötzlich so klar. Etwas die Nebel hinweggeweht.

Ihre blassen grünen Augen waren verklebt, so ließ sie sie geschlossen. Ihr Atem tanzte mit dem stolpern ihres Herzens.

Nur noch einen kurzen Weg, ein kleines bisschen sollst Du mir schlagen, mein liebes Herz!“

Ihre Erinnerungen schweiften zu ihrem Mann, der lange schon gegangen war. Beim Gedanken an die vielen Kämpfe mit der Firma und vor Gericht, die sich durch ihr altes Leben zogen, kamen die schlechten Gefühle wieder auf und ein Gewicht, daß sich auf ihre Lunge legte und auch ihr Herz schneller schlagen ließ.

Ihr Angespartes hatten sie verloren, wie ihre schöne Wohnung. Ihren Mann hatte es sehr belastet und seiner Gesundheit geschadet.


Sie lebte ohne Ziele in den Tag hinein, freute sich über die Natur, den Wind und sogar den Regen und natürlich den Sonnenschein, der auch jetzt durch die halb zugezogenen Vorhänge ihr Zimmer durchströmte. Ganz klar und deutlich sah sie die Strahlen, und das pulsieren kleiner Teilchen, die wie feiner Staub aussahen, der pulsartig verwirbelt wurde. Wie ein lebendiger Körper legten sich diese Wellen ins Zimmer und sie hieß sie herzlich Willkommen. Sie spielte mit den Sonnenstrahlen, indem sie mit den Augen blinzelte, freute sich über die Muster, die besonders bei geschlossenen Augen in den schönsten Farben leuchteten. Wie warm waren ihre Füße und ihre Hände nun. Wohlig leicht fühlte sie sich, als sie an der Wand entlangschwebte und sich selbst auf dem Sofa sitzen sah. Als Sie an sich herunterschaute bemerkte sie ihren wieder jung gewordenen und wunderschönen Körper und kaum, daß sie Scham wegen ihrer Nacktheit fühlte, umhüllte sie ihr Lieblingskleid.

Ihre langen silbergoldenen Haare schwebten in Schwerelosigkeit. Anders als bei den Komödien der Frauen auf der Raumstation mit ihrem hoch toupierten Schopf, waren ihre Haare überall.


Ihr Körper, der in allen Farben leuchtete, wurde von einer Welle erfasst. Sie hatte das Gefühl sanft zu Schaukeln und dann hörte sie es, eine Melodie, erst aufgeregt schwingend wie tausende Insekten, dann beruhigend, machte sie heiter und glücklich. Sie fühlte sich wie in Watte eingekuschelt, nein, sie selbst war es. Sie war ein Meer aus Licht.


Wie von selbst, nur weil sie hinsah, bewegte sie sich auf ein fernes Licht zu. Manchmal hielt sie an und schaute sich um. Als sie nur sich selbst wahrnahm, setzte sie ihre Reise fort. Wo sollte sie auch sonst hingehen, als ins Licht. Dann sang sie. Nie zuvor war ihre Stimme so schön. Sie sang im Duett mit der Melodie mit der sie plötzlich Eins wurde. Sie trödelte und spielte mit ihren eigenen Sonnenstrahlen.


Am Ziel angekommen, erschien ihr ein wunderbarer Engel in prunkvollen Kleidern, die mit funkelnden Diamanten bestückt waren. Dieser Engel spielte ihr einen Film über all ihre Leben, an die sie sich plötzlich erinnerte. Und da waren Dinge, ihr völlig fremde Dinge. Böse dunkle Taten und grauenhafte Pein. War sie das wirklich. Wie war es möglich, daß sie selbst so grausam gewesen sein konnte? Verzweifelt schaute sie das schöne Lichtwesen an, daß ihr einen liebevollen Blick zuwarf. Sie war fassungslos und und verzweifelt und ihre Haut wurde wieder alt und graue Strähnen lagen leblos auf ihren Schultern. Ihre Lunge atmete schwer und ihr Herz stolperte und sie hatte das Gefühl, nun wirklich zu sterben.


Bin das wirklich ich? Das wunderbare Wesen schaute sie nur liebevoll an. Wie kann ich wieder gut machen? Und ihre Frage, die sie dachte, wurde sofort erhört.


Wir schließen einen Vertrag,“ meinte das schöne Wesen, „Du magst zurückgehen auf die Erde und löst dort Deine Probleme auf?“

Das will ich tun,“ dachte sie und wie von Geisterhand, hatte sie den Vertrag unterschrieben. „Hier ist noch ein Vertrag über spezielle Aufgaben, die Du auf der Erde bestehen möchtest? Überlege gut!“ Das Wesen schob ihr den Vertrag unter. Ihre Augen waren voller Tränen und sie unterschrieb an der Stelle, wo das Wesen zeigte. Und wieder und wieder kamen Verträge und sie war mit allem einverstanden, waren ihre Taten doch so grausam. „Hier noch das letzte Schreiben über den genauen Zeitpunkt und Ort Deiner Wiedergeburt!“ Und wieder stand dort ihre Unterschrift im gleichen Moment, als sie den Vertrag erblickte.


Sie war mittlerweile so klein und schwach und sie wusste, diesmal würde sie wirklich sterben und so löste sie sich auf in einem Meer voller Tränen..


Und so kam es, daß an einem kühlen Sommermorgen ein kleiner Junge mit grünen Augen geboren wurde, der sich ängstlich an den warmen Körper seiner Mutter schmiegte. Später, als er herausfand, die Augenlider zu bedienen und die Wesen seiner Welt zu fokussieren, sah er die schönsten Lächeln und die wärmsten Augen. Nie wieder in seinem Leben würde er solche Freude erblicken als die Freude in den Augen seiner Eltern.


Später erfüllte der Vater einen Vertrag und meldete die Geburt seines Sohnes an und es entstand eine Geburtsurkunde. Der Beamte klebte eine Wertmarke darauf und machte das Papier mit dem Datum und seinem Namenszeichen zu einer Aktie. Hier wurde aus dem kleinen Jungen, dem Menschen aus Fleisch und Blut, eine juristische Person, ein Sklave für eine Fiktion, die sich Staat nannte.


Die kleine Familie war ahnungslos. Die drei Menschen schwebten in ihrem Glück und der neue Erdenbürger war so geliebt.


Während der Taufe geschah der nächste Vertrag, als der Pfarrer im Auftrag ein Kreuz des Vergessens auf die Stirn des Babys zeichnete.


Und an einem finsteren Morgen war dann alles anders. Wo war das Lächeln, das Singen. Er vermisste das liebevolle Spielen und streicheln und den wunderbare Geruch von Mama und Papa. Mama … Er hatte Sehnsucht nach der warmen Haut seiner Mama. Die fremden Stimmen, die falschen Gesichter quälten ihn und eine Fremde nahm ihn aus seinem Bettchen an dem Morgen, als seine Eltern verunglückt waren.


Noch viele Verträge sollte der kleine Mensch in seiner Zeit erfüllen.

Jahre später aber,

als er beschloss, seinen Arbeitsvertrag zu kündigen, den Ehevertrag aufzulösen, nachdem er auch alle anderen Verträge gekündigt hatte, die Sicherungsleine gekappt hatte, überkam ihn eine unendliche Freude und ein Gefühl von Freiheit. Sein Herz öffnete sich als die Sonne ihre pulsierenden Wellen zu ihm schickte. Er streckte sich und ging vergnügt über seine Erde, daß die blonden Haare im Wind tanzten. Er vernahm eine wundervolle Melodie. Wann hatte er sie schonmal gehört?


Sein Körper, der in allen Farben leuchtete, wurde von einer Welle erfasst. Er hatte das Gefühl sanft zu Schaukeln und diese Melodie, erst aufgeregt schwingend wie tausende Insekten, dann beruhigend und leicht, machte ihn heiter und glücklich. Er fühlte sich wie in Watte eingekuschelt, nein, er selbst war es. Er war ein Meer aus Licht.


Und er sank ganz tief in sich hinein: „Ich bin ein lebendiges beseeltes Wesen. Ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut.

Vergangene und zukünftige Verträge und Verwicklungen, durch Unwissenheit, Unterlassung und Täuschung in die Welt gebracht, sind ab sofort gelöst. - ich bin frei

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